Eichhörnchen füttern – was hilft, was schadet und wann es wirklich sinnvoll ist

Christian Schubert
Inhalt

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    Eichhörnchen hält Walnuss am Futterhaus im Herbstgarten

    Das Wichtigste auf einen Blick

    • Eichhörnchen füttern ist Kür, kein Muss – Naturschutzverbände sehen keinen zwingenden Bedarf, in Städten und harten Wintern kann eine Futterstelle aber helfen.
    • Walnüsse, Haselnüsse und Bucheckern in der Schale sind das beste Futter – am besten so, wie die Tiere es auch in der Natur finden würden.
    • Mandeln, Erdnüsse, Brot, Milchprodukte und Schokolade gehören nicht ins Futterhaus – Blausäure, Schimmelrisiko und Verdauungsprobleme sind die Gründe.
    • Wasser ist im Sommer oft wichtiger als Futter – eine flache Schale, täglich frisch, kann Leben retten.
    • Der Standort entscheidet über den Erfolg – erhöht, nahe an Bäumen, katzensicher und mit Abstand zu befahrenen Straßen.
    • Mit Kindern wird Fütterung zur Beobachtungsstation – vom eigenen Futterhaus bis zum Beobachtungstagebuch.

    Es gibt diesen Moment im Oktober, in dem ein Eichhörnchen durch den Garten huscht, eine Nuss im Maul, und wieder in den Bäumen verschwindet. Und dann die Frage, die fast jede Familie irgendwann stellt: Sollten wir ihm nicht helfen? Ein Futterhaus aufhängen, Nüsse besorgen, dem flinken Nachbarn durch den Winter helfen?

    Diese Frage ist einfacher gestellt als beantwortet. Denn selbst Naturschutzverbände sind sich uneinig, ob Eichhörnchen überhaupt gefüttert werden müssen. Und was ins Futterhaus gehört und was absolut nicht, ist für viele überraschend.

    Dieser Artikel räumt mit den gängigsten Mythen auf, zeigt dir eine ehrliche Do/Don't-Liste mit Begründungen und erklärt, wie und wann eine Futterstelle wirklich hilft. Außerdem zeigen wir dir, warum Wasser oft wichtiger ist als Futter und wie aus einer einfachen Futterstelle ein echtes Familienprojekt wird.

    Muss ich Eichhörnchen überhaupt füttern? Die ehrliche Antwort

    Fachdebatte zum Eichhörnchen füttern: Naturschutz und Wildtierhilfe im Vergleich

    Die kurze Antwort: Nein, musst du nicht. Die lange Antwort: Es kommt darauf an.

    Der NABU formuliert es klar. Julian Heiermann vom Naturschutzbund sagt im Interview mit dem Fachmagazin selbst.de: „In der Regel leiden unsere Eichhörnchen nicht unter Futtermangel und benötigen keine extra Fütterung durch den Menschen." Der NABU Baden-Württemberg ergänzt, Studien hätten gezeigt, dass selbst massive Zufütterung den Bestand nicht erhöht. Nach guten Samenjahren gibt es viele Eichhörnchen, nach schlechten weniger. Das ist natürliche Dynamik.

    Wildtierhilfen sehen das anders. Der Eichhörnchen Notruf e.V. hält wegen verlorener Mischwälder, der Verdrängung in Städte und der frühen Paarungszeit im Januar eine Zufütterung „fast übers ganze Jahr" für sinnvoll. Die Eichhörnchenhilfe Berlin empfiehlt eine Fütterung vom Winter bis zum Frühjahr.

    Studien aus Großbritannien und Japan zeigen: Zufütterung kann lokal die Fortpflanzung fördern – gefütterte Stadt-Weibchen hatten in einer japanischen Studie eine um 24 Prozent höhere Trächtigkeitsrate und mehr Junge pro Wurf. Gleichzeitig verhindert Füttern die natürlichen Bestandsschwankungen nicht und bringt eigene Risiken: An einem britischen Fütterungsstandort gingen 65 Prozent aller erfassten adulten Todesfälle auf Verkehrsunfälle zurück.

    Was heißt das für dich? Füttern ist keine Pflicht. Aber wenn du es tust – richtig, sauber und zurückhaltend – schadet es nicht, und es hat einen echten Wert: Du siehst Eichhörnchen aus nächster Nähe, dein Kind lernt sie zu erkennen, und ihr übernehmt gemeinsam Verantwortung. Das ist mehr wert als jede Nussmenge.

    Was fressen Eichhörnchen von Natur aus?

    Bevor es ans Futter geht, lohnt sich der Blick in die Natur. Denn das beste Futter ist das, was Eichhörnchen auch ohne uns finden würden.

    Natürliche Nahrung des Eichhörnchens: Walnüsse, Haselnüsse, Bucheckern und Zapfen

    Das Eichhörnchen ist laut NABU Baden-Württemberg ein Nadelwald-Spezialist. Seine Hauptnahrung sind Samen aus Fichten- und Kiefernzapfen – die typisch ausgefransten Zapfen auf dem Waldboden sind sein Werk. Dazu kommen Haselnüsse, Walnüsse und Bucheckern als energiereiche Hauptkost.

    Ergänzend fressen Eichhörnchen Knospen und junge Triebe im Frühjahr, Rinde, Blüten und Pilze. Beeren und Früchte nehmen sie in kleinen Mengen. Gelegentlich fressen sie auch Insekten und sogar Vogeleier – überraschend, aber belegt.

    Und dann der klassische Mythos: Eicheln. Trotz des Namens sind Eicheln nicht das Lieblingsfutter des Eichhörnchens. Der Eichhörnchen Notruf stellt klar, dass der Name nicht von der Eichel kommt, sondern vom althochdeutschen „aig" für „flink". Eicheln sind für das heimische Eichhörnchen schwer verdaulich – anders als für das amerikanische Grauhörnchen.

    Wie viel frisst ein Eichhörnchen am Tag?

    Die Mengen schwanken mit der Jahreszeit. Im Sommer, wenn das Tier aktiv unterwegs ist, Nachwuchs säugt oder sich für den Winter polstert, frisst es bis zu 80 Gramm pro Tag. Im Winter, wenn es viel ruht und die Verstecke anzapft, reichen etwa 35 Gramm.

    Für dein Futterhaus heißt das: Kleine Mengen reichen völlig. Lieber mehrmals pro Woche eine Handvoll Nüsse nachlegen als einmal die Woche eine Großpackung einfüllen. Das vermeidet Schimmel, hält das Futter frisch und ist näher an der natürlichen Fressweise der Tiere.

    Wann Eichhörnchen füttern – der richtige Zeitpunkt im Jahr

    Jahreszeit Empfehlung
    September – November Futterhaus aufhängen, sparsam befüllen
    Dezember – Februar Hauptfütterungszeit, besonders bei Frost und Schnee
    März – April Langsam reduzieren, nicht abrupt aufhören
    Mai – August Füttern meist unnötig, Wasser dagegen wichtig

     

    Jahreszeiten-Übersicht fürs Eichhörnchen-Füttern von Herbst bis Sommer

    Im Herbst gewöhnst du Eichhörnchen an die Futterstelle – legst eine Handvoll Nüsse ins Haus, auch wenn sie draußen noch genug finden. So kennen sie den Platz, wenn der Winter kommt.

    Der Winter ist die klassische Fütterungszeit. Besonders bei geschlossener Schneedecke oder Dauerfrost, wenn die vergrabenen Vorräte schwer erreichbar sind, hilft eine zusätzliche Futterquelle. Und: Ab Januar beginnt bereits die Paarungszeit – trächtige Weibchen haben erhöhten Energiebedarf.

    Im Frühjahr solltest du nicht abrupt aufhören. Die ersten Jungtiere sind ab März unterwegs, suchen eigenständig Futter und das natürliche Angebot ist noch dürftig. Reduziere langsam, bis Ende April das Futterhaus leer bleibt.

    Der Sommer ist die Zeit, in der die meisten Wildtiere genug finden. Hier ist Zusatzfutter in der Regel nicht nötig – mit einer Ausnahme: Wasser. Und dazu kommen wir gleich.

    Wichtig ist Regelmäßigkeit. Die Eichhörnchenhilfe Dorsten warnt: Wer im Winter anfängt, sollte nicht nur sporadisch füttern. Die Tiere verlassen sich darauf, planen ihre Nahrungssuche danach – und stehen plötzlich vor einem leeren Haus. Lieber gar nicht als halbherzig.

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    Was gehört ins Futterhaus – die Do-Liste

    Hier wird es konkret. Diese Lebensmittel kannst du guten Gewissens anbieten:

    Futter Besonderheit
    Walnüsse in der Schale Energiereich, heimisch, sorgen für Zahnabrieb
    Haselnüsse in der Schale Klassiker, natürliches Futter
    Bucheckern Natürliche Herbstnahrung
    Sonnenblumenkerne (ungesalzen) Energiereich, in Maßen
    Kürbiskerne (ungesalzen, ungeröstet) Sichere Alternative zu Erdnüssen
    Maronen und Esskastanien Auf Schimmel achten
    Zapfen, Hagebutten, Ebereschenbeeren Naturnahe Ergänzung aus dem eigenen Garten
    Kleine Stücke Apfel, Karotte, Weintraube An heißen Tagen als Flüssigkeitsspender

    Besonders schön als Familienprojekt: Mit Kindern im Herbst Hagebutten, Bucheckern und Zapfen im eigenen Garten oder beim Spaziergang sammeln. Das verbindet Naturbeobachtung mit konkretem Tun – und ist genau die Art „echter Aufgabe", die uns bei Eli wichtig ist.

    Ein Hinweis des NABU Baden-Württemberg: Sammle keine Nüsse massenhaft im Wald, nur um das Eichhörnchen zu füttern. Du nimmst damit anderen Tieren wie Siebenschläfern und Vögeln die Nahrung.

    Warum Nüsse in der Schale gehören

    Ein Punkt, den die meisten Ratgeber übersehen: Nüsse gehören nach Möglichkeit in der Schale ins Futterhaus. Nicht aus Nostalgie, sondern aus biologischen Gründen.

    Eichhörnchen-Zähne wachsen ein Leben lang nach. Das Öffnen harter Schalen sorgt für den nötigen Zahnabrieb. Werden nur geschälte Weichnüsse angeboten, können die Zähne überlang werden – ein echtes Gesundheitsproblem.

    Dazu kommt: Nüsse in der Schale lassen sich verstecken. Das Vergraben und Wiederfinden ist natürliches Verhalten – und für Kinder faszinierend zu beobachten. Außerdem sind geschlossene Nüsse länger haltbar und weniger anfällig für Schimmel.

    Nur eine Ausnahme: Für Jungtiere, die erst lernen müssen, Schalen zu knacken, dürfen auch einige geschälte Nüsse dabei sein.

    Geeignetes und ungeeignetes Futter für Eichhörnchen im direkten Vergleich

    Was gehört NICHT ins Futter – die Don't-Liste mit Begründung

    Jetzt die Gegenseite. Diese Lebensmittel haben im Futterhaus nichts zu suchen – mit klarem Grund:

    Futter Warum nicht
    Mandeln Blausäure-Risiko, nicht heimisch
    Erdnüsse Schimmelrisiko, schwer verdaulich
    Gesalzene, geröstete, gewürzte Nüsse Salz und Gewürze werden nicht vertragen
    Brot, Zwieback, Kekse Quillt im Magen, kein natürliches Futter
    Milch und Milchprodukte Eichhörnchen sind laktoseintolerant
    Schokolade und Süßigkeiten Zucker und Theobromin
    Avocado, Zwiebel, Knoblauch, Lauch Für viele Tiere toxisch
    Essensreste und Gekochtes Nicht artgerecht
    Supermarkt-Nussmix Enthält fast immer Mandeln, Erdnüsse, Salz

    Besonders der letzte Punkt ist tückisch. Die bunten Nussmischungen aus dem Supermarkt wirken auf den ersten Blick ideal, enthalten aber praktisch immer Mandeln, oft Erdnüsse und meist Salz. Prüfe die Zutatenliste genau – oder greif gleich zu reinen Walnüssen oder Haselnüssen.

    Warum Mandeln wirklich problematisch sind

    Mandeln sind der klassische Warnhinweis – aber die Sachlage ist differenzierter, als viele denken.

    Bittermandeln enthalten laut Landesamt für Verbraucherschutz Niedersachsen hohe Mengen Amygdalin, das im Körper zu Blausäure abgebaut wird. Das ist für Menschen und Tiere giftig.

    Süßmandeln, wie du sie im Supermarkt kaufst, enthalten nur sehr geringe Mengen. Das Problem: In einer Packung Süßmandeln kann vereinzelt eine bittere Mandel dazwischen sein. Dazu kommen Transportwege, Schimmelrisiko und die Tatsache, dass Mandeln kein heimisches Futter sind.

    Für Eichhörnchen gibt es keine spezifischen Toxizitätsstudien. Die Fachstellen raten aus Vorsicht ab – und diesem Rat solltest du folgen. Walnüsse und Haselnüsse sind die bessere Wahl.

    Warum Erdnüsse in der Fachdebatte umstritten sind

    Bei Erdnüssen widersprechen sich sogar die Naturschutzverbände. Der NABU NRW nennt in einem Ratgeber „Hasel-, Erd- oder Walnüsse" als geeignet. Der LBV warnt dagegen vor einer „reinen Erdnuss-Diät". Wildtierhilfen raten komplett ab.

    Die Argumente dagegen: Erdnüsse sind streng genommen Hülsenfrüchte, nicht Nüsse. Sie sind besonders schimmelanfällig, und Schimmelpilze bilden Aflatoxine – eines der stärksten natürlichen Gifte. Dazu kommt ein ungünstiges Verhältnis von Phosphor zu Kalzium, das langfristig zu Knochenproblemen führen kann.

    Eine englische Studie an der UCL und der Universität Hull untersuchte Eichhörnchen-Schädel aus einem Gebiet mit intensiver Erdnuss-Zufütterung. Das Ergebnis: Die Tiere zeigten eine „morphologische Veränderung mit reduzierter Kaueffizienz". Nach Reduktion der Erdnussfütterung ging der Effekt teilweise zurück.

    Unsere Empfehlung: Erdnüsse besser weglassen. Walnüsse, Haselnüsse und Kürbiskerne decken denselben Zweck ab, ohne Risiko.

    Wasser – die unterschätzte Hilfe

    Eichhörnchen trinkt aus flacher Wasserschale auf einem Holzbrett

    Jetzt kommt der Teil, den fast kein Ratgeber ernst nimmt – und der oft wichtiger ist als jede Nuss.

    Besonders im Sommer, nach Hitzewellen und langen Trockenperioden, kann Durst für Eichhörnchen schlimmer sein als Hunger. Berichte aus Berlin und anderen Städten zeigen immer wieder: In extremen Trockenperioden fallen dehydrierte Eichhörnchen regelrecht von den Bäumen – oft Jungtiere, die noch nicht gelernt haben, Wasserstellen zu finden.

    Eine flache Schale mit wenigen Zentimetern Wasser, täglich frisch, kann Leben retten. Platziere sie nicht direkt auf dem Boden, wo Katzen leicht Zugang haben, sondern auf einem Brett am Baum oder einer erhöhten Fläche in der Nähe des Futterhauses. Ein kleiner Stein in der Schale hilft auch Insekten und Vögeln, nicht zu ertrinken.

    Im Winter brauchen Eichhörnchen bei geschlossener Schneedecke keine Zusatzwasserstelle – sie fressen Schnee. Bei Dauerfrost ohne Schnee aber schon. Dann hilft es, mehrmals täglich lauwarmes Wasser nachzugießen.

    Übrigens: Die Wasserschale ist eine ideale Kinder-Aufgabe. Jeden Morgen Wasser wechseln, Schale reinigen – das lässt sich schon mit 5-Jährigen üben.

    Regentonne als tödliche Gefahr

    Eine der häufigsten Todesursachen bei Eichhörnchen im Garten ist auch gleichzeitig eine der am leichtesten zu vermeidenden: offene Regentonnen.

    Der BUND empfiehlt ausdrücklich, Regentonnen abzudecken – und zwar so schwer, dass der Wind die Abdeckung nicht wegwehen kann. Alternative: eine schräg hineingestellte Holzlatte oder ein Ast als Ausstiegshilfe.

    Besonders tragisch: Wenn ein säugendes Weibchen in der Regentonne ertrinkt, sterben auch alle Jungtiere im Nest, weil sie verhungern. Eine einzige Abdeckung kann also mehrere Leben retten.

    Dasselbe gilt für Pools, Zisternen und tiefe Wasserbecken. Entweder abdecken oder eine Ausstiegshilfe einbauen – mehr braucht es nicht.

    Wie und wo füttern – Standort, Futterhaus und Hygiene

    Richtiger Standort für ein Eichhörnchen-Futterhaus im Garten

    Der schönste Nussvorrat nützt nichts, wenn der Standort nicht stimmt. Diese Regeln solltest du kennen:

    • Erhöht in etwa 1,5 bis 2 Metern über dem Boden – katzensicher und übersichtlich
    • Nahe an Bäumen, sodass der Weg zum Futterhaus kurz ist
    • Kein offener Rasen zwischen Baum und Futterhaus
    • Abstand zu befahrenen Straßen – an Fütterungsstandorten nahe Verkehr sind Verkehrsunfälle laut britischer Studie die häufigste Todesursache
    • Nicht an der Hausfassade – die Tiere könnten sich an der Scheibe verletzen oder den Weg ins Haus suchen

    Und der schönste Nebeneffekt: Ein selbst gebautes Futterhaus ist mehr wert als jedes gekaufte. Bei uns findest du einen Eichhörnchen-Futterhaus-Bausatz aus Holz, den Kinder selbst zusammensetzen, bemalen und aufhängen können. Das ist nicht nur ein Winterprojekt, sondern der Start einer monatelangen Naturbeobachtung.

    Futterhaus, Silo oder offene Plattform?

    Es gibt verschiedene Bauarten:

    • Klassisches Futterhaus mit Klappdeckel und Sichtscheibe: Das Futter bleibt trocken, der Füllstand ist sichtbar, und Eichhörnchen müssen den Deckel öffnen – ein tolles Beobachtungserlebnis für Kinder.
    • Offene Futterplattform: Einfach, aber das Futter wird schnell nass. Für Sommerfutter oder als Wasserstelle besser geeignet.
    • Silo oder Automat: Weniger Verschmutzung, dafür weniger Entdeckungserlebnis.

    Für Familien ist das klassische Futterhaus die beste Wahl – vorausgesetzt, es ist sicher gebaut.

    Kind bemalt selbst gebautes Eichhörnchen-Futterhaus aus Holz

    Was ein sicheres Futterhaus ausmacht

    Der Hamburger Tierschutzverein dokumentierte einen Fall, in dem ein Eichhörnchen mit dem Hals in einem schlecht konstruierten Futterhaus festklemmte. Deshalb lohnt sich der Blick auf diese Kriterien:

    • Keine Öffnungen, in denen sich der Kopf verklemmen kann, aber der Körper nicht hindurchpasst
    • Leichtgängige, rostfreie Klappen ohne Quetschgefahr für Finger und Pfoten
    • Große Sitzplattform für stabiles Fressen
    • Überstehender Deckel als Regenschutz
    • Unbehandeltes Holz, Farbe nur außen und ungiftig

    Günstige Baumarkt-Modelle erfüllen diese Kriterien oft nicht. Ein selbst gebautes Haus aus Holz, nach einer guten Anleitung, ist meist sicherer.

    Hygiene am Futterplatz

    Ein Futterhaus, das nicht sauber gehalten wird, kann zur Krankheitsschleuder werden. Diese Routine reicht völlig:

    • Nasses oder schimmeliges Futter sofort entfernen
    • Obstreste abends entsorgen, bevor sie gären
    • Regelmäßig mit heißem Wasser reinigen, gut trocknen lassen – keine Chemie
    • Kleine Mengen nachfüllen statt große Vorräte
    • Futter trocken und luftig lagern, nicht in Plastiktüten

    Die häufigsten Fütterungsfehler

    Diese Fehler machen fast alle Anfänger. Die gute Nachricht: Alle sind vermeidbar.

    • Zu viel füttern: Große Vorräte schimmeln, locken Ratten an und machen die Tiere abhängig.
    • Supermarkt-Nussmix ohne Prüfung der Zutaten.
    • Nur geschälte Nüsse – fehlender Zahnabrieb.
    • Futter am Boden ausstreuen – Katzen und Füchse danken es dir.
    • Futterstelle direkt an einer Straße – massiv erhöhtes Verkehrsrisiko.
    • Handfütterung und aktives Anlocken – die Tiere verlieren die Scheu vor Menschen, Hunden und Maschinen.
    • Unregelmäßig im Winter – wenn sich die Tiere auf die Stelle verlassen, muss sie zuverlässig sein.
    • Nüsse massenhaft aus dem Wald sammeln – entzieht anderen Wildtieren die Nahrung.

    Sonderfall Jungtiere – wann ein Eichhörnchen wirklich Hilfe braucht

    Manchmal findest du ein Eichhörnchen, das Hilfe braucht. Diese Zeichen solltest du kennen:

    • Das Tier läuft Menschen hinterher oder klettert an ihnen hoch – kein Angriff, sondern ein Hilferuf
    • Es lässt sich leicht einfangen
    • Es wirkt orientierungslos oder liegt kalt am Boden
    • Sichtbare Verletzungen

    Sofortmaßnahmen: Wärmen (Wärmflasche so platzieren, dass das Tier ausweichen kann), in einen Karton mit Luftlöchern setzen, ruhig stellen. Niemals Milch geben – Eichhörnchen sind laktoseintolerant, Milch kann tödlich sein. Auch kein Katzen- oder Hundefutter.

    Rufe stattdessen eine Fachstelle an: den Eichhörnchen Notruf e.V., eine regionale Wildtierstation oder einen Tierarzt mit Wildtiererfahrung. Diese Menschen wissen, was zu tun ist.

    Rechtlich wichtig: Eichhörnchen sind in Deutschland besonders geschützt. Fangen und dauerhaftes Halten ohne Genehmigung ist verboten. Hilfe in akuter Not ist erlaubt, danach gehört das Tier in erfahrene Hände.

    Eichhörnchen füttern mit Kindern – der Familien-Winkel

    Jetzt der Teil, der uns bei Eli am meisten am Herzen liegt. Denn eine Futterstelle ist für Familien weit mehr als eine Hilfe für Wildtiere. Sie ist eine Einladung an Kinder, die Natur direkt vor der Haustür zu entdecken.

    Eichhörnchen sind der ideale Einstieg in die Naturbeobachtung. Sie sind tagaktiv, kommen regelmäßig, zeigen sich – und sind unverwechselbar. Für Kinder zwischen 5 und 10 Jahren ist eine Futterstelle oft die erste Erfahrung mit einem Wildtier, das sie wiedererkennen.

    Was Kinder übernehmen können:

    • Täglich das Wasser wechseln – die ideale Verantwortungs-Übung
    • Das Futterhaus befüllen und auf Sauberkeit prüfen
    • Ein Beobachtungstagebuch führen: Wann kam das Eichhörnchen? Wie viele? Welche Fellfarbe? Hat es Ohrpinsel (die zeigen sich im Winter)?
    • Fraßspuren an Nüssen und Zapfen suchen – wie Detektive
    • Im Herbst eigene Hagebutten, Bucheckern und Zapfen sammeln

    Die besten Beobachtungszeiten: Im Sommer morgens und am späten Nachmittag. Im Winter tagsüber, besonders an milden, ruhigen Tagen. Von drinnen durchs Fenster, nicht zu nah.

    Und das Beste: Wenn das Futterhaus selbst gebaut ist, mit eigenen Händen gesägt, geschraubt und bemalt, wird aus einer Fütterungsstelle ein Familienprojekt mit Geschichte. Das ist genau das, was Kinder brauchen – echte Aufgaben, echte Ergebnisse, echte Verantwortung.

    Häufige Fragen zum Eichhörnchen füttern

    Was fressen Eichhörnchen am liebsten?

    Walnüsse und Haselnüsse in der Schale stehen ganz oben. Dazu Bucheckern, Sonnenblumenkerne, Kürbiskerne und Samen aus Zapfen. Kleine Stücke Obst und Karotte kommen als Ergänzung dazu.

    Darf ich Eichhörnchen im Sommer füttern?

    Zusätzliches Futter ist im Sommer meist nicht nötig, weil das Nahrungsangebot reicht. Wichtiger ist eine flache Wasserstelle, gerade an heißen Tagen. Nach langen Dürreperioden kann eine kleine Futterstelle sinnvoll sein.

    Warum sind Mandeln für Eichhörnchen gefährlich?

    Bittermandeln enthalten Amygdalin, das im Körper zu Blausäure umgebaut wird. Süßmandeln sind meist harmlos, einzelne bittere Exemplare können aber dazwischen sein. Aus Vorsicht solltest du Mandeln gar nicht erst ins Futterhaus geben.

    Ist Eichhörnchen füttern verboten?

    In Deutschland gibt es kein allgemeines Fütterungsverbot für Eichhörnchen. Fangen, Halten und Handaufzucht ohne Genehmigung sind allerdings verboten. In Mietwohnungen kann die Hausordnung Futterstellen auf dem Balkon einschränken.

    Wie lange dauert es, bis Eichhörnchen das Futterhaus finden?

    Meist zwischen wenigen Tagen und zwei bis drei Wochen. In ruhigen Gärten und mit deutlichem Sichtbezug zu Bäumen geht es schneller. Wichtig ist Geduld – nicht sofort den Standort wechseln.

    Verlernen Eichhörnchen das Fressen in der Natur, wenn ich sie füttere?

    Nein, sie behalten ihr natürliches Verhalten und suchen weiter selbst nach Nahrung. Eine Zusatzfütterung ergänzt das Angebot, ersetzt es aber nicht. Kritisch wird es nur bei Handfütterung, weil die Tiere dann die Scheu vor Menschen verlieren.

    Kind beobachtet Eichhörnchen am selbst gebauten Futterhaus durch das Fenster

    Eine Futterstelle ist kein Rettungsanker für die Eichhörnchen in Deutschland. Aber sie ist ein Fenster – für dein Kind, für euch als Familie, für ein Stück Naturbeobachtung mitten im Garten.

    Und wenn das Haus selbst gebaut, das Wasser täglich gewechselt und das Futter mit Bedacht ausgewählt ist, wird aus einer Handvoll Nüssen etwas, das länger bleibt als jeder Winter.