Igelhaus selber bauen – Anleitung für ein sicheres Winterquartier

Das Wichtigste auf einen Blick
- Ein Igelhaus bauen bedeutet: einen isolierten Hohlraum von etwa 30 × 30 × 30 Zentimeter mit einem Eingang von 10 × 10 Zentimeter schaffen.
- Katzensicher wird das Häuschen durch eine Trennwand oder einen verwinkelten Gang – nicht durch ein größeres Loch.
- Die Füllung entscheidet: trockenes Laub aus Buche oder Eiche ist die sichere Wahl, Heu und Stroh sind umstritten.
- Der beste Standort: ruhige, schattige Ecke im Garten, Eingang wetterabgewandt, mindestens ab August aufgestellt.
- Auch Blumentopf oder Steine funktionieren – die Blumentopf-Variante ist ideal für Kinder, aber eher als Sommerquartier geeignet.
- Nie den Igel im Winter stören und niemals ins Warme holen – das kostet ihn das Leben.
Es gibt einen Moment im Herbst, den du erkennst, wenn du ihn einmal erlebt hast: Ein kleines Rascheln im Laub am Rand der Terrasse. Ein Igel läuft durch euren Garten. Er sucht ein Winterquartier.
Immer weniger Igel finden es. Der Braunbrustigel steht seit Oktober 2024 auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN als „potenziell gefährdet". In Deutschland ist er auf der Vorwarnliste. In Bayern hat sich der Bestand laut Reichholf-Studie in 40 Jahren auf etwa ein Fünftel reduziert.
Ein Igelhaus im eigenen Garten ist eine kleine, konkrete Antwort auf dieses Verschwinden. In diesem Artikel bekommst du eine ehrliche Anleitung. Mit Maßen, die stimmen. Mit Sicherheitsregeln, die funktionieren. Und mit einer Variante, die auch Kinderhände wirklich bauen können.
Warum ein Igelhaus bauen – die Lage des Igels in Deutschland
Igel gehören zu den Wildtieren, die vielen Menschen ans Herz gewachsen sind. Trotzdem geht es ihnen so schlecht wie nie zuvor. Die Deutsche Wildtier Stiftung hat den Igel zum Tier des Jahres 2024 ernannt – nicht aus Zufall.
Nach § 44 Bundesnaturschutzgesetz ist der Igel eine besonders geschützte Art. Er darf nicht gefangen, verletzt oder getötet werden. Auch seine Ruhestätten dürfen nicht mutwillig zerstört werden – dazu zählt ausdrücklich sein Winterquartier.
Konkrete Zahlen zeigen, wie ernst die Lage ist:
- In Bayern gingen laut Reichholf-Studie die Igel-Totfunde an einer Zählstrecke seit 1976 um rund 80 Prozent zurück.
- In Großbritannien ist der Bestand in ländlichen Gebieten in 20 Jahren um bis zu 75 Prozent geschrumpft.
- Die IUCN nennt die Zerstörung ländlicher Lebensräume, Straßen und Stadtentwicklung als Hauptursachen.
Wer eine Igelbehausung im Garten anbietet, wirkt dem in einem kleinen, aber echten Umfang entgegen. Ein naturnaher Garten mit Laub, Hecken und ein bisschen Wildnis ist am Ende mehr wert als jeder perfekt gestutzte Rasen.
Igelhaus, Igelburg oder Igelunterschlupf – wo ist der Unterschied?
Die Begriffe werden im Alltag durcheinandergeworfen. Fachlich meinen sie unterschiedliche Dinge:
- Igelhaus ist der neutrale Oberbegriff für ein gebautes Häuschen aus Holz, Stein oder Ton.
- Igelburg ist der klassische Naturbau: ein großer Reisig- und Laubhaufen, den der Igel selbst bezieht.
- Igelhotel ist meist ein Marketingwort für ein gekauftes Häuschen.
- Igelunterschlupf ist der weiteste Begriff – alles, was den Igel schützt, inklusive Naturvarianten.
Was ein Igel im Winter wirklich braucht
Ein Igel braucht drei unterschiedliche Unterschlüpfe im Jahr. Ein Winterquartier ab Oktober für den Winterschlaf. Ein Sommerquartier für die kurzen Tagesruhen. Und ein Wurfnest für die Aufzucht der Jungen ab Juli.
Das Winterhaus ist am anspruchsvollsten: isoliert, ruhig, kühl aber frostgeschützt. Der Igel senkt seine Körpertemperatur während des Winterschlafs auf wenige Grad ab. Deshalb ist es lebensgefährlich, ihn ins Warme zu holen. Er wacht dann zu früh auf, findet keine Nahrung und verhungert.
Das ist der wichtigste Grundsatz beim Bauen: Das Igelhaus bleibt draußen. Immer. Auch im Winter.
Material und Maße für dein Igelhaus

Hier entscheidet sich, ob dein Häuschen funktioniert. Die Zahlen wirken klein, aber jede von ihnen hat einen Grund.
Als Innenmaße gilt ein Hohlraum von etwa 30 × 30 × 30 Zentimeter. Das ist die Vorgabe, die das Igelzentrum Zürich nennt und die auch NABU und LBV bestätigen. Kleiner wird zu eng, größer verliert Wärme.
Der Eingang bleibt bei 10 × 10 Zentimetern. Diese Größe passt für den größten Igel, aber für keine Katze und keinen größeren Marder. Manche Baumarkt-Anleitungen empfehlen 12 × 15 Zentimeter – das ist fachlich zu groß. Das Igelhaus wird damit katzenunsicher.
Die Wandstärke sollte mindestens 18 bis 20 Millimeter betragen. Das isoliert genug und macht die Konstruktion stabil.
An Werkzeug brauchst du: Stichsäge oder Fuchsschwanz, Akkuschrauber, Bohrer, Schraubzwinge, Schleifpapier und einen Bleistift. Für die Baumarkt-Alternative reicht ein Zuschnitt-Service samt Akkuschrauber.
Welches Holz eignet sich – und welche Mythen halten sich hartnäckig

Für das Igelhaus nimmst du unbehandeltes Nadelholz: Fichte, Kiefer, Tanne oder Lärche. Robinie und Eiche sind besonders witterungsbeständig, aber teurer. Wichtig ist nur: kein lackiertes Holz, keine Imprägnierung, keine Farbe im Inneren. Igel reagieren empfindlich auf chemische Ausdünstungen.
Und weil das Gerücht sich hartnäckig hält: Douglasie ist nicht giftig für Igel. Das ist ein Mythos, der in Ratgeber-Blogs immer wieder auftaucht. Douglasie enthält keine für Igel giftigen Substanzen. Sie ist ein völlig geeignetes, witterungsbeständiges Holz, wenn sie gut abgelagert und trocken ist. Was schadet, ist frisches, harziges Nadelholz, das im Inneren ausdünstet – nicht die Holzart selbst.
Boden, Dach und Verbindungen
Zwei Konstruktionsdetails machen den Unterschied zwischen einem guten und einem mittelmäßigen Häuschen.
Der Boden fehlt am besten ganz. Ein bodenloses Igelhaus hat drei Vorteile: keine Staunässe, natürliche Bodentemperatur für den Igel und einfachere Reinigung. Du stellst es auf zwei Dachlatten oder auf eine Schicht Kies, dann bleibt die Konstruktion trocken.
Das Dach wird abnehmbar oder aufklappbar. Nur so kannst du im Frühjahr reinigen. Am einfachsten sind Scharniere auf einer Seite und ein leicht geneigtes Pultdach. Auf das Dach kommt eine dünne Dachpappe oder eine Siebdruckplatte. Ein Stein oben drauf verhindert, dass es der Wind hebt.
Verbinde alle Teile mit Schrauben, nicht mit Nägeln. Schrauben halten stabiler, sind bei Fehlern korrigierbar und für Kinderhände die einfachere Wahl.

Igelhaus bauen mit Kindern – Schritt für Schritt
Ein Igelhaus zu bauen ist eines der schönsten Familienprojekte, die wir kennen. Ihr habt am Ende etwas, das im Garten steht, das etwas Echtes bewirkt und das euer Kind gebaut hat.
Ab welchem Alter das geht? Ab etwa 5 Jahren mit klarer Begleitung. Ab 8 Jahren wird das Kind zum echten Teammitglied.
Rollenverteilung, damit es funktioniert:
- Das Kind übernimmt: Schleifen der Kanten, Vorbohren (Handbohrer), Schrauben, Bemalen, Aufhängen des Nistmaterials.
- Der Erwachsene übernimmt: Sägen, tiefe Bohrungen, die kritische Konstruktion der Trennwand.
Der Zeitbedarf liegt bei zwei bis drei Stunden für die Grundkonstruktion. Verteile die Arbeit auf zwei Nachmittage – Konzentration bei Kindern ist begrenzt, Stolz auf ein Ergebnis nicht.

Zuschnitt und Vorbereitung der Holzteile
Der erste Schritt ist meist Erwachsenensache. Du überträgst die Maße auf die Holzplatten und sägst die sechs Teile zu: Boden (falls du einen willst), zwei Seitenwände, Rückwand, Vorderwand mit Eingang, Dach.
Das Kind schleift alle Kanten glatt. Diese Aufgabe ist ideal für kleine Hände – sichtbares Ergebnis, spürbarer Unterschied.
Ein Tipp, der viel Zeit spart: Nutze den Zuschnitt-Service in Baumärkten. Die Platten kommen fertig zugeschnitten, ihr müsst nur noch zusammenbauen.
Trennwand einbauen für den katzensicheren Zugang
Das ist der wichtigste Schritt der ganzen Konstruktion. Ohne Trennwand kommen Fressfeinde wie Katzen und Marder direkt in den Schlafraum.
Hinter dem Eingang baust du eine Trennwand ein, die parallel zur Vorderwand steht. Zwischen Vorderwand und Trennwand entsteht ein Flur. Am Ende der Trennwand ist eine Öffnung – aber nicht mittig, sondern seitlich versetzt.
Der Igel läuft durch das Eingang in den Flur, geht am Ende der Trennwand um die Ecke und erreicht so den Schlafraum. Der Gang misst mindestens 15 Zentimeter Breite, damit sich der Igel bequem drehen kann.
Das Prinzip funktioniert, weil eine Katze nicht um die Ecke greifen und ihre Wirbelsäule nicht so biegen kann wie der Igel. Wir kommen im nächsten Kapitel noch einmal darauf zurück.
Zusammenbau, Dach und Bemalen
Jetzt kommt der Moment, den Kinder lieben. Aus einzelnen Holzstücken wird ein Häuschen.
Verschraubt Seitenwände, Rück- und Vorderwand miteinander, dann setzt ihr die Trennwand ein. Das Dach kommt mit Scharnieren obenauf, damit ihr es später zum Reinigen aufklappen könnt.
Bemalt wird nur außen. Wasserbasierte Farben und Wachs oder Naturöl schaden dem Igel nicht – aber nur, wenn sie durchgetrocknet sind, bevor das Haus aufgestellt wird. Innen bleibt das Holz roh. Immer.

Katzensicheres Igelhaus bauen – wie du echte Sicherheit schaffst
Katzen sind die Fressfeinde, die am häufigsten in Igelhäuser eindringen. Und die Frage „ist mein Häuschen wirklich katzensicher?" ist eine der größten Sorgen bei allen, die eines bauen.
Die Antwort ist einfacher, als du denkst. Sicherheit entsteht nicht durch dickeres Holz oder ein kleineres Loch. Sie entsteht durch das Labyrinth-Prinzip: eine Trennwand oder ein verwinkelter Gang.
Warum das funktioniert: Eine Katze kann ihre Pfote durch das 10 × 10 Zentimeter Eingang strecken. Aber sie kann sie nicht um eine 90-Grad-Ecke biegen. Und wenn hinter der Ecke noch einmal 15 Zentimeter Gang folgen, kommt sie an den Schlafraum nicht heran.
Die 10 × 10 Zentimeter am Eingang sind Fachstandard bei NABU, BUND, LBV, Pro Igel und Igelzentrum Zürich. Wenn dir ein Ratgeber größer empfiehlt, ist der Eingang fachlich zu groß gebaut. Katzen können hindurch, junge Marder auch.
Das gleiche Prinzip schützt übrigens auch vor Ratten. Ein verwinkelter Gang macht das Igelhaus für die meisten Fressfeinde uninteressant.

Igelhaus mit Rattenklappe selber bauen
Manche Igelfreunde bauen zusätzlich zur Trennwand eine Rattenklappe ein. Eine Rattenklappe ist eine pendelnde Tür im Eingang, die der Igel mit dem Kopf aufdrücken kann, die Ratten aber meiden, weil sich das Ding bewegt.
Die Konstruktion ist einfach: Ein dünnes Holzstück oder eine Plexiplatte hängt an zwei frei schwingenden Ösen im Eingang. Der Igel läuft dagegen, die Klappe schwingt auf, hinter ihm schwingt sie zurück. Wichtig: keine Scharniere verwenden. Scharniere können über den Winter rosten und die Klappe blockieren.
Igelhaus und Futterhaus – der wichtige Unterschied
Ein Igelhaus und ein Futterhaus sind zwei verschiedene Häuschen. Viele Ratgeber vermischen die beiden.
- Das Schlafhaus ist für den Winterschlaf und die Aufzucht der Jungen. Es bleibt möglichst leer, außer dem Nistmaterial.
- Das Futterhaus ist für die Zufütterung im Herbst mit Katzenfutter oder Igelfutter. Hier stehen Futterschale und Wasser drin.
Wer beides anbieten will, baut zwei getrennte Häuschen. Sonst wird das Schlafhaus von Ratten und Katzen als Restaurant genutzt und der Igel meidet es.
Igelhaus aus Blumentopf bauen – die Kinder-Variante

Für Kita, Kindergarten oder ein kleines Wochenendprojekt gibt es eine Bauvariante, die dein Kind fast allein hinbekommt: das Igelhaus aus einem Blumentopf.
Du brauchst dafür einen großen Terracotta-Topf mit mindestens 40 Zentimeter Durchmesser, einen Steinbohrer, trockenes Laub, ein paar Steine und Zeit.
Der Ablauf:
- Loch bohren: Am Rand des Topfes bohrst du ein Eingang von etwa 10 × 10 Zentimetern. Ein Steinbohrer und Geduld reichen. Die Kanten glättest du mit Schleifpapier.
- Standort wählen: Der Topf wird umgedreht oder auf die Seite gelegt, halb eingegraben oder mit Erde und Blättern umhäuft.
- Drainage einbauen: Auf den Boden kommt eine Schicht kleiner Steine, damit keine Nässe aufsteigt.
- Laub einfüllen: Trockenes Laub aus Buche oder Eiche als Nistmaterial.
- Ausgang wetterabgewandt: Das Eingang zeigt nicht Richtung Norden oder Osten.
Ehrliche Einordnung: Ein Blumentopf ist als Winterquartier eingeschränkt. Terracotta staut Wärme im Sommer und lässt bei starkem Regen Wasser eindringen. Die Variante funktioniert am besten als Sommerquartier oder als zusätzlicher Unterschlupf. Wenn du daraus ein Winterhaus machen willst, musst du den Topf gut isolieren – mit einer dicken Schicht Erde und Laub außenherum.
Als Familien- und Kinderprojekt ist die Blumentopf-Variante trotzdem großartig. Ein Kind kann sie mit Hilfe fast komplett selbst bauen.
Standort und Ausrichtung für den Blumentopf
Bei kleinen Häuschen aus Ton gelten strengere Standort-Regeln als bei Holzhäusern. Halbe Einbettung in Erde oder Laub ist Pflicht. Ohne Isolierung wird der Topf im Winter zu kalt und im Sommer zu heiß.
Der Eingang zeigt Richtung Süden oder Westen, weg von den Wetterseiten. Und das ganze Häuschen steht unter einem Busch, an einer Hecke oder in einer Gartenecke, die niemand als Weg benutzt.
Igelhaus aus Steinen bauen – naturnah und langlebig

Wer ein Igelhaus für die Ewigkeit will, baut es aus Steinen. Ziegel oder Natursteine, im Rechteck gestapelt, mit einem Dach aus Holzplatte oder Steinplatte darauf.
Der Innenraum liegt bei etwa 25 × 25 Zentimetern Grundfläche und 20 Zentimetern Höhe. Das Eingang entsteht durch eine Lücke zwischen zwei Steinen. Die Trennwand wird durch einen zweiten Stein-„Flur" geschaffen, den du im rechten Winkel dahinter setzt.
Vorteile des Steinhauses: Es hält Jahrzehnte, es bleibt im Sommer angenehm kühl und es fügt sich in naturnahe Gärten schön ein. Der Nachteil: Es ist schwer zu reinigen. Wer Höhlen aus Naturstein baut, kommt einmal im Jahr nur mit viel Aufwand ans Nistmaterial.
Der richtige Standort im Garten
Selbst das perfekt gebaute Häuschen bleibt leer, wenn der Standort nicht stimmt. Diese Regeln gelten:
- Ruhige, schattige Ecke unter Hecken oder Büschen.
- Eingang zur wetterabgewandten Seite, meist Süden oder Westen.
- Norden und Osten meiden – dort kommen Regen und Wind am stärksten an.
- Rückseite an Wand oder Zaun für zusätzlichen Schutz.
-
Auf Dachlatten oder Kies gesetzt, damit keine Bodennässe eindringt.
Und der wichtigste Punkt, den viele vergessen: Ein igelfreundlicher Garten ist mehr wert als das schönste Haus. Ein Laubhaufen in der Ecke, eine Hecke ohne Chemie, ein durchlässiger Zaun am Nachbargarten – all das hilft mehr als ein einzelnes Häuschen. Der Igel braucht nicht eine Behausung, er braucht einen Lebensraum.

Was ins Igelhaus hineinkommt – Nistmaterial im Faktencheck
Hier gibt es einen offenen Fachstreit, den du kennen solltest, bevor du entscheidest.
Der NABU rät aktuell von Stroh UND Heu ab. NABU-Experte Julian Heiermann begründet das so: Stroh ist sehr spröde und kann in scharfkantige, spitze Bestandteile brechen, die in Augen und Haut der Igel Reizungen verursachen. Heu ist elastischer, aber Igel haben sich schon Beine mit langen Heuhalmen umwickelt. Die NABU-Empfehlung: trockenes Laub.
Das Igelzentrum Zürich empfiehlt weiterhin Stroh als bewährtes Nestmaterial.
Pro Igel e.V. priorisiert Laub, akzeptiert aber Haferstroh ohne Grannen.
Der Konsens über alle drei Quellen: Heu ist ungeeignet. Die sichere Wahl ist trockenes Laub aus Buche oder Eiche. Diese Blätter zersetzen sich langsam und bilden ein isolierendes Nest.
Der Igel wird sich sein Winternest ohnehin selbst zurechtdrehen. Deine Aufgabe ist nur, das Grundmaterial bereitzustellen. Für die Aufzucht der Jungen im Sommer gelten die gleichen Regeln – Laub schadet den Igeln in keinem Fall, Heu kann.

Aufstellen, Reinigen und Beobachten
Der Zeitplan rund um ein Igelhaus ist einfach – aber wichtig, damit alles funktioniert.
Aufstellen im August oder September, spätestens Mitte Oktober. Der Igel muss Zeit haben, das Häuschen zu finden, zu erkunden und für gut zu befinden. Wer erst im November aufstellt, hat gute Chancen, dass das Haus im ersten Jahr leer bleibt.
Beobachten – aber aus der Ferne. Nach ein paar Tagen findest du vielleicht Kratzspuren am Eingang oder verschobenes Laub. Wenn ein Igel drin ist, rührst du das Haus nicht mehr an. Nicht öffnen, nicht bewegen, nicht kontrollieren.
Reinigen erst ab Ende April, wenn der Winterschlaf sicher vorbei ist. Der LBV empfiehlt „nicht vor Anfang Mai". Trage dabei Handschuhe – Igel haben oft Flöhe oder Zecken. Altes Nistmaterial rausnehmen, das Winterhaus mit heißem Wasser und einer Wurzelbürste auswaschen. Keine Chemie. Frisches Laub kommt erst wieder im Spätsommer.
Im Winter bleibt das Häuschen ungestört. Wer es öffnet, tötet den Igel. Das ist keine Übertreibung.
Was du tust, wenn kein Igel einzieht
Sei ehrlich zu dir und deinen Kindern: Igelhäuser werden oft erst im zweiten oder dritten Jahr angenommen. Manchmal nie. Das liegt nicht an deiner Konstruktion, sondern am Standort, am Igel-Vorkommen und an tausend kleinen Zufällen.
Was du tun kannst, um die Chancen zu erhöhen:
- Einen Laubhaufen anlegen neben dem Häuschen. Das ist die natürliche Alternative und wird oft schneller angenommen.
- Wilde Gartenecken lassen – ein Igel braucht Verstecke.
- Chemie weglassen – Schneckenkorn und Pestizide sind für Igel tödlich.
- Zugang durch Zäune ermöglichen – ein Durchlass von 10 × 10 Zentimeter am Zaun reicht.
Ein igelfreundlicher Garten ist ein Prozess. Das Igelhaus ist ein Baustein davon.
Igelhaus kaufen oder als Bausatz bestellen – wann das sinnvoll ist
Nicht jede Familie hat Werkbank, Stichsäge und Zeit für ein komplettes Bauprojekt. Ein Bausatz ist dann die faire Alternative: vorgeschnittene Teile, klare Anleitung, weniger Fehlerrisiko.
Vorteile eines Bausatzes:
- Alle Holzteile sind auf Maß.
- Die Konstruktion ist erprobt.
- Kinder können mitbauen, ohne dass Erwachsene die halbe Werkstatt aufbauen müssen.
- Der Zeitbedarf sinkt auf ein bis zwei Nachmittage.

Beim Kauf achtest du auf zwei Dinge:
- Unbehandeltes Holz, innen nicht lackiert.
- Abnehmbares Dach für die Reinigung.
Viele Baumarkt-Igelhäuser sind fachlich schwach: zu großes Loch, imprägniertes Holz, keine Trennwand. NABU und BUND raten von einigen dieser Modelle ausdrücklich ab.
Wenn du eine geprüfte Bausatz-Variante suchst, findest du bei uns ein Igelhaus aus Kiefernholz zum Bemalen mit Kindern. Und wenn deinem Kind bei einem eigenen Bau das passende Werkzeug fehlt, schau in unsere Kinderwerkzeug-Kategorie. Was am Ende zählt, ist nicht wer das Haus baut – sondern dass der Igel eine Chance hat.
Übrigens: Ein Igel-Lebensraum funktioniert am besten in mehreren Etagen. Ein Laubhaufen in einer Ecke, ein Reisighaufen unter dem Busch, das Igelhaus im Winter – diese Etagen im Garten sind zusammen wertvoller als jede einzelne Behausung.
Häufige Fragen zum Igelhaus bauen
Wie groß muss ein Igelhaus sein?
Der Hohlraum sollte etwa 30 × 30 × 30 Zentimeter messen – das ist der Fachstandard von NABU und Igelzentrum Zürich. Der Eingang bleibt bei 10 × 10 Zentimetern, weil größer nicht katzensicher ist. Wer ein Igelhaus mit Trennwand baut, plant zusätzlich einen Gang von mindestens 15 Zentimeter Breite ein.
Wann muss das Igelhaus im Garten stehen?
Idealerweise stellst du das Igelhaus im August oder September auf, spätestens Mitte Oktober. Der Igel braucht Zeit, das Häuschen zu finden, zu erkunden und für sicher zu befinden. Wer erst im November baut, hat gute Chancen, dass das Haus im ersten Jahr leer bleibt.
Was kommt ins Igelhaus als Nistmaterial?
Trockenes Laub aus Buche oder Eiche ist die sichere Wahl und die aktuelle Empfehlung des NABU. Heu ist ungeeignet, weil sich der Igel darin verheddern kann, Stroh ist unter Fachleuten umstritten. Der Igel baut sich sein Winternest ohnehin selbst zurecht – du stellst nur das Grundmaterial bereit.
Wie mache ich das Igelhaus katzensicher?
Eine Trennwand hinter dem Eingang oder ein verwinkelter Gang macht das Igelhaus katzensicher. Der Eingang bleibt bei 10 × 10 Zentimetern. Marder und größere Ratten werden vom Labyrinth-Prinzip ebenfalls ausgesperrt.
Kann ich das Igelhaus mit meinen Kindern bauen?
Ja, ein Igelhaus ist ein ideales Familienprojekt ab etwa 5 Jahren mit klarer Begleitung. Kinder übernehmen Schleifen, Vorbohren, Schrauben und Bemalen, während Erwachsene Sägen und die Trennwand-Konstruktion übernehmen. Der Zeitbedarf liegt bei zwei bis drei Stunden, verteilt auf zwei Nachmittage – Konzentration bei Kindern ist begrenzt, Stolz auf ein selbstgebautes Haus für einen Igel nicht.
Muss ich das Igelhaus im Winter reinigen?
Nein, im Winter bleibt das Igelhaus geschlossen und ungestört. Die Reinigung folgt erst ab Ende April, wenn der Winterschlaf sicher vorbei ist und das Haus leer ist. Trage dabei Handschuhe wegen Flöhen und Zecken, und nutze nur heißes Wasser und eine Wurzelbürste – niemals Chemie.
Es gibt einen Moment im Frühjahr, den keine Bildschirmzeit ersetzt. Du kommst in den Garten, öffnest vorsichtig das Dach vom Häuschen – und siehst leere, plattgedrückte Blätter dort, wo im November noch ein loser Haufen war.
Da hat einer geschlafen.
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